Kinderjury Preisverleihung am 25.10.2015

KINOLINO-Kinderjury kürt die besten Kinderfilme mit dem „Goldenen Hecht“

 

Während der letzten zwei Wochen haben sich die 22 Kinder und Jugendliche der KINOLINO Kinderjury intensiv mit den Dresdner Filmpremieren des 23.Kinderfilmfestes beschäftigt und nach selbstgewählten Kriterien bewertet. Gestern, am 25. Oktober 2015, wurde in der Schauburg Dresden der „Der Goldene Hecht“ in den drei Kategorien "besonders spannend", "besonders lustig" und "besonders interessant" verliehen.

 

Die Gewinnerfilme waren:

In der Kategorie "besonders interessant":

Jurybegründung:

Die Geschichte beruht auf realen Ereignissen, aus dem Jahre 2003, wonach in einem Zoo in Palästina tatsächlich eine Giraffe bei einem israelischen Luftangriff ums Leben gekommen ist. Aus Sicherheitsgründen wurde der Film in Nablus, einer Stadt, weit ab von den Unruhen, gedreht. Dadurch wirkt er mit seinen Kulissen immer noch ausreichend wirklich, ohne aber die Schauspieler, Tiere und Dreharbeiten zu gefährden. Die Geschichte wirkt mit ihren Straßenkämpfen und kriegerischen Elementen schrecklich und unwirklich. Da die Geschichte auf wahren Begebenheiten beruht,  Löst sie ein Gefühl der Beengung im Zuschauer aus. Die Schauspieler haben viele Emotionen gezeigt und so den Inhalt der Geschichte noch deutlicher gemacht. Die Kameraführung und der Einsatz von Spezialeffekten waren nicht so gut gelungen. Dadurch hätte der Film noch etwas mehr Wirkung erhalten.

Als Jugendfilm, freigegeben ab 12 Jahren, gibt er einer Generation einen Blick auf die Geschehnisse in Nahost, den sie sonst so nicht zu sehen bekommen. Er vermittelt, was Schreckliches passiert, ohne es zum Kern der Geschichte zu machen.

Nur 10 unserer Jurykinder konnten den Film, aufgrund der Altersfreigabe, sehen. Diese 10 waren allerdings der festen Meinung, dass der Film eine Auszeichnung verdient hat. Aufgrund seiner Wahrhaftigkeit, gab es nicht nur etwas über den Nahost-Konflikt und die Kämpfe zwischen Israel und Palästina zu lernen, sondern auch über die Gegebenheiten in anderen Ländern, über den Umgang miteinander, den Respekt und die Hilflosigkeit, wenn man gemeinsam Angst hat. Zudem war es beeindruckend etwas über Giraffen zu lernen und wie man mit wenig materiellem Besitz, viel Zuneigung und Freude geben kann. 

Der Film „Giraffada“ erhält von uns das KINOLINO Kinderjury Prädikat „besonders interessant“! Allerdings sei erwähnt, dass die Wahl zum interessantesten Film auch die Wahl zum ergreifendsten und bedrückendsten ist.

Wir empfehlen ihn in jedem Fall zu gucken, gern auch im Unterricht, weil definitiv Diskussionsbedarf dazu besteht – aber erst ab einem Alter von 12 Jahren.

 

In der Kategorie "besonders lustig":

Jurybegründung:

In „Boule und Bill“ geht es um eine wunderbare Freundschaft zwischen einem Jungen und seinem Hund. Das Drehbuch und die Geschichte sind von vorn bis hinten komplett toll und haben uns sehr überzeugt. Bill wird als Familienmitglied noch glaubwürdiger, weil er eine menschliche Stimme hat, die zwar nur das Publikum hören kann, aber die Gedanken eines Hundes sind echt witzig und ganz schön verrückt. Die Abenteuer, die die Familie erlebt sind für den Zuschauer so gedreht, als wären sie gerade im Geschehen dabei. Man kann in jeder Situation mitfühlen, mitfiebern und mitlachen. Aber vor allem ist der Film sehr lustig! Die Geschichte ist sehr rasant erzählt, sodass man beim ersten Sehen wahrscheinlich gar nicht alle Witze und lustigen Details entdeckt.

Die Franzosen sind ja bekannt für ihren schrägen Humor. „Boule und Bill“ ist sozusagen die Vorgeschichte zu den gleichnamigen Comics aus den 70er Jahren – für unsere Eltern besser bekannt als „Schnief und Schnuff“ in den „Fix und Foxi“ – Büchern. Von den Dialogen, über die lustige französische Musik, bis hin zum depressiven Nachbarn und einer Liebesgeschichte zwischen Hund und Schildkröte hat der Film alles, was es für eine fantastische Unterhaltung braucht.

Dieser tolle Familienfilm erhält von uns zu Recht, mit 92 % der Stimmen, den „goldenen Hecht“ in der Kategorie „besonders lustig“.

 

In der Kategorie "besonders spannend":

Jurybegründung:

„Rettet Raffi!“ ist von der ersten bis zur letzten Sekunde voller Spannung und Abenteuer! Es ist spannend, lustig und niedlich zugleich. Die Geschichte, um den Hamster, ist so gut dargestellt, dass er tatsächlich wie ein bester Freund und nicht wie ein Haustier wirkt. Die Schauspieler waren sehr gut gewählt. Sie waren wie eine echte Familie und nicht so übertrieben, wie in anderen Filmen. Außerdem war es gut gemacht, dass sich alle Figuren entwickelten und sich durch den Hamster enger verbunden fühlten – außer der Bösewicht Rocky, der hat sich charakterlich kein Bisschen entwickelt. Perspektivisch hat der Film total überzeugt. Die Aufnahmen mit dem Hamster waren immer sehr nah und aus der Froschperspektive und die, mit den Menschen, immer aus der Sicht eines Kindes in Sammys Alter.

Die Suche nach Raffi war während des Films ganz oft kurz vor dem Erfolg. Es war ein ständiges Hoch und Runter der Gefühle und Emotionen. Sehr gut gemachte Actionszenen haben dabei die Dramatik unterstrichen.

Alle Jurymitglieder sind sich einig: „Rettet Raffi!“ ist der spannendste Film 2015!

In den 90 Minuten passiert mehr, als ein kleines Hamsterherz in Wirklichkeit aushalten kann! Sammy nimmt die Zuschauer mit, sich auf die Suche nach einem besten Freund zu machen und dabei viele Lehren für’s Leben zu lernen. Neben dem Umgang mit Haustieren zeigt der Film, wie man respektvoll in einer Familie miteinander umgeht und wie wichtig Vertrauen und Ehrlichkeit sind, um sich selbst vor Gefahren zu schützen. Der Film ist an so vielen Stellen aufregend – man weiß gar nicht, wann man sich wieder beruhigt zurücklehnen kann. Zur gleichen Zeit ist er aber auch sehr lustig und man muss sich zusammenreißen nicht ganz laut im Kino loszulachen. Es ist ein Abenteuer für die ganze Familie!

 

 

Zusätzlich wurde ein Film in der Sonderkategorie „von der Kinderjury besonders empfohlen" gekürt:

Jurybegründung:

Der Film „Von einem, der auszog, das Fürchten zu lernen“  ist unglaublich toll!

Die Neuauflage des grimmschen Klassikers hat uns auf vielfache Weise fasziniert. Obwohl die Geschichte schon hunderte Male erzählt wurde, haben die Filmemacher wieder eine ganz neue Seite zum Vorschein gebracht. Es war „inhaltlich traditionell, aber ganz modern gemacht“. Die Drehorte, Kulissen, Requisiten und Kostüme waren auf das Märchen, auf die Figuren und aufeinander so wunderbar abgestimmt. Für die Augen wurde es daher nie langweilig, überall gab es liebevolle Kleinigkeiten zu entdecken, die den Schwung der Erzählung unterstrichen. An den Gesichtern der Schauspieler konnte man den Spaß und die Leidenschaft erkennen, mit der sie ihre Rollen spielten. Sie waren keine einfachen Schauspieler, sie waren mit dem Herzen in der Geschichte. Die Kameraführung war einfach, jedoch wirkungsvoll: lange Szenen gaben das Gefühl, mitten im Geschehen zu stehen; schnelle Schnitte und Perspektivwechsel unterstrichen die Brisanz und die Dramaturgie einer Szene. Selbst die Animationen waren so unglaublich sauber und detailliert und wirkten ganz schön real.

Die Jury war sich hier einig! In 6 der 8 Kategorien bekam dieser Film durchweg sehr gute Bewertungen und damit im Durchschnitt über 90% der Stimmen. Das ist mehr, als alle anderen geschafft haben.

Der Film ließ sich in keine unserer Kategorien einordnen, da er sowohl an Spannung als auch an Witz die anderen Premieren überragte. Die Emotionen musste man blitzschnell wechseln von einem herzlichen Kichern zu einem plötzlichen Schreck.

Außerdem vermittelte der Film, in seiner Art als Märchen, viele wichtige Werte: Dass es auch mal gut ist, sich zu fürchten, dass jeder, so gut er kann, helfen soll und dass man nie weiß, wo man die Liebe findet.

Wir ernennen hiermit den Film „Von einem, der auszog, das Fürchten zu lernen“ zur besten KINOLINO Kinderfilmpremiere 2015 und verleihen ihm das Kinderjury-Prädikat „besonders empfehlenswert“.

 

 

Tiina takkula - Produzentin des Premierenfilms: Von einem, der auszog das Fürchten zu lernen

 

 

Die KINOLINO-Kinderjury ist ein "Movies in Motion"-Projekt des BJF im Rahmen von "Kultur macht stark"